Der Winter in Tōkyō ist äußerst schneearm. In den drei Wintermonaten Dezember, Januar und Februar schneite es an zwei Tagen – Ende Januar und Ende Februar. Das Weiß blieb ein Weilchen liegen, aber dennoch würde es sich nicht danach anfühlen, als hätte ich in Japan wirklich Winter erlebt, wäre ich vor ein paar Tagen nicht noch einmal nach Kanazawa gefahren. Von den meterhohen Schneebergen, die es in der Region im tiefen Winter gibt, war schon lang nichts mehr zu sehen. Dennoch hatte ich das Glück, eine ordentliche Schneewehe zu erleben und im Kenrokuen, einem der berühmtesten Gärten ganz Japans, noch eine wundervolle Schneepracht bewundern zu können.

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Und so komme ich nun im März endlich dazu, das Muster zu verwenden, das ursprünglich für den vergangenen Dezember geplant war, wenn auch in Kombination mit einem Frühlingsboten. Das Yukiwa / 雪輪, eine hexagonale, einen Schneekristall repräsentierende Form, in Verbindung mit einer Kamelie, japanisch Tsubaki / 椿 (auch ツバキ bzw. つばき), eine der Blüten, die den Frühlingsbeginn begleiten.

Tsubaki / Camellia Photo

Inspiration für diese Wahl waren die zahlreichen Kamelienblüten im Kenrokuen mit ihrem satten Rot, das so wunderbar mit dem dunklen Grün der Blätter und dem kühlen Weiß überall im Kontrast standen.

Yukiwa Tsubaki (Camellia) Japanese traditional Pattern

Yukiwa wird mit den Kanji für Schnee (雪) und Kreis/Ring/Schleife (輪) geschrieben und ist eine Grundfläche japanischer Familienwappen. Es stellt eine Schneeflocke dar, wird aber entgegen der Vermutung nicht nur im Winter verwendet. Auf den Stoffen der Yukata, also Sommerkimonos, soll es Frische versprühen, und als geometrische Grundform findet man es zu jeder Jahreszeit. Schnee wird als Symbol für Fruchtbarkeit angesehen und so wird das Yukiwa oft in Verbindung mit den Blumen und Pflanzen der Saison abgebildet.

Tsubaki / Camellia Photo

Die Tsubaki / 椿 (Camellia japonica) oder auch カメリア aus dem Englischen (camellia) ist ein immergrüner Busch, dessen Blüten im Übergang zum Frühling blühen und dafür als glückverheißend gilt. Da die Blüten allerdings innerhalb weniger Tage verblühen und die roten, einzeln herabfallenden Blütenblätter auf dem Schneeboden an Blutstropfen erinnern, ist die Kamelie auch ein Symbol für Tod und Vergänglichkeit und wurde daher von Kriegerfamilien vermieden. In der Edo-Zeit war sie allerdings eine sehr beliebte Gartenpflanze und das Motiv fand unter der breiten Bevölkerung große Anwendung.

Snow Berries

Die Farbkombination Weiß-Rot-Dunkelgrün findet man auch anderenorts im Kenrokuen wieder. Ich halte sie für typisch für die Winterzeit.

Kanazawa in Snow

Der Blick vom Garten auf die Stadt Kanazawa zum Ende des Winters, während ein Schneeschauer heraufzieht.

Kanazawa in Snow Kenroku-en

Die Kotoji-tōrō / 徽軫灯籠, die berühmte zweibeinige Laterne – Sinnbild des Kenrokuen und Kanazawas, und im Hintergrund die typischen Aufhängungen der Bäume, um diese von den Schneemassen (in den Wochen zuvor) zu schützen.

Kanazawa in Snow Drift Kenroku-en

Ein weiteres in vielen Bildern auftauchendes Motiv ist das Yukimochi / 雪持ち, das Bedeckt-Sein von Schnee. Besonders beliebt ist Schnee auf Bambus. Dies gilt als Zeichen für eine gute Ernte.

Kanazawa in Snow Drift Kenroku-en

Einer der Anblicke, die mich mit dem japanischen Winter versöhnten. Nun kann der Frühling beginnen.

Quellen:

1) Kimono Flea Market ICHIROYA’s News Letter No.382 (International Kimono Fan Club Facebook-Profil, 2012.03.04)
2) Japanese traditional motifs and patterns (japanese-luxuary.com, 2012.03.04) [Nachtrag: Seite nicht mehr verfügbar.]
3) Yukiwa (Immortal Geisha, 2012.03.04)
4) My Kimono – Seasonal patterns (Informationsblatt des Tōkyō National Museums)
5) Kamilie und Kamilien (Wikipedia.de, 2012.03.04)
6) Wadoku (2012.03.04)

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first published at www.futurefire.de on 2012.03.04